Nachtvögel

| Ted C.J. Sluijter

Es gibt diese Nächte im Mai und Juni … laue Nächte. Ich will Sie nicht auf falsche Gedanken bringen, aber suchen Sie sich einmal so eine Nacht aus, um nach draußen zu gehen. Denn genau das sind die besten Nächte, um Vögel kennenzulernen, die vor allem nachts aktiv sind. Das sollte man mindestens einmal im Leben erlebt haben.

Revier
Im frühen Frühjahr, manchmal sogar schon im Winter, machen sich die echten Standvögel bereits bemerkbar. Jetzt, im Verlauf des Frühjahrs und zu Beginn des Sommers, herrscht in den meisten Naturgebieten reger Betrieb durch Brutvögel. Es sind vor allem Zugvögel, die aus Afrika zurückgekehrt sind und sich nun intensiv mit der Fortpflanzung beschäftigen. Bei den meisten Arten treffen die Männchen zuerst ein – manche haben dann bereits viele Tausend Kilometer hinter sich. Direkt nach der Ankunft beginnen sie mit ihrem Gesang, ein Revier abzustecken. Ein solches Revier ist notwendig, um sich selbst und später den Nachwuchs mit ausreichend Nahrung zu versorgen.

Foto: Wasserralle – Ed Zijp

Laute
Die meisten Vogelarten markieren ihr Revier durch Gesang. Rund um unsere Häuser kennen wir das nur zu gut. Amseln und Singdrosseln beginnen bereits im März, lange vor Sonnenaufgang, laut zu singen. Ich kenne Menschen (die nicht früh aufstehen müssen!), die deshalb sogar ihr Schlafzimmerfenster schließen, um weiter schlafen zu können. Bei fast allen Vogelarten singen ausschließlich die Männchen. Nur bei wenigen Arten, wie zum Beispiel dem Rotkehlchen, singen auch die Weibchen. Der Gesang der Männchen hat zwei Funktionen: das Abgrenzen des Reviers und das Anlocken eines passenden Weibchens.

Foto: Waldschnepfe – Paul Cools

Trommeln und Klappern
Das Abstecken eines Reviers geschieht nicht nur durch Gesang. Jeder weiß, dass der häufig vorkommende Buntspecht seine Nahrung aus der Rinde von Bäumen holt. Außerdem hackt er in weiches Holz eine Bruthöhle. Doch er lässt auch Trommelwirbel auf Bäumen hören, um sein Revier zu markieren. Oft wird dafür ein gut klingender, abgestorbener Ast als Resonanzkörper genutzt. Störche singen ebenfalls nicht, sondern kommunizieren durch Klappern mit dem Schnabel.

Nächtliches Schreien und Grunzen
Nachts schlafen die meisten Arten. Es bleiben jedoch einige wenige übrig, die diese Ruhe nutzen, um ihre Laute hören zu lassen. Am Dünenrand von Voorne sind das zum Beispiel der Waldkauz mit seinem zitternden Ruf und die Waldschnepfe mit ihrem Piepen und Grunzen. Diese lassen sich ganz einfach von öffentlichen Wegen entlang der Dünen hören. Im Gebüsch des Dünengebiets  dem sogenannten Strauchwerk – kannst du wunderbar die Nachtigall hören. Dafür reicht es schon, an einen Parkplatz am Rand der Dünen zu gehen. Und dort, wo Schilf wächst, wie beim Meertje de Waal bei Rockanje, lassen sich in der Dämmerung Rohrammer und Teichrohrsänger belauschen. In der Strypsche Wetering stößt die Wasserralle Schreie aus, die an das Quieken eines geschlachteten Schweins erinnern. Die Rufe all dieser Arten findest du auf waarneming.nl.

Also, liebe Leser: laue Nacht? Raus nach draußen!

Foto: Waldkauz – Frank Bos